St. Martin

Schnitt und Riss
Wir alle kennen die Geschichte des hl. Martin. Dass man für das Zerschneiden eines Mantels so berühmt werden kann, hat er sich sicher nicht ausgemalt. Und es geht an sich auch nicht um den Mantel Martins, sondern um das, was dieser Akt symbolisch ausdrückt: Da ist einer, der kümmert sich um andere, der nimmt die Not weg. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Schon einmal, im neuen Testament, wird davon berichtet, dass ein Stück Textil geteilt wird: Bei der Kreuzigung Jesu, so berichten der Evangelist (vgl. Mk 15,38), reißt der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Damit ist das Allerheiligste offen. Der Weg zu Gott ist nun frei, er steht allen offen, die auf Christus vertrauen. Er wird am Ende unseres Lebens das Leid aber nicht nur halbieren, sondern ganz und gar wegnehmen. Das ist unser Hoffnungsschimmer – und auch das drücken die Laternen der vielen Kinder aus, die dieser Tage durch die Straßen getragen werden.